An die Freunde der Kammermusik
Wir feiern in dieser Saison zwanzig Jahre „Musik in der Kirche“.
Zwanzig Jahre Musik in der schönen Klein-Kärber Kirche, das ist eine Leistung.
Denn viele Veranstalter wissen, das Publikum für Kammermusik ist kein
Massenpublikum und eher dünn gesät.
Deshalb erzählt dieses Jubiläum eine bemerkenswerte
Erfolgsgeschichte. Begonnen hat es damit, dass wir in der Weihnachtszeit Jahr
für Jahr ein Barockensemble eingeladen haben. War die Qualität der Musik auch
gut und die Besucherzahl ansehnlich, so konnte man nach ein paar Jahren eine
gewisse Eintönigkeit im Programm doch nicht leugnen. Irgendwann formulierte das
eine Besucherin wie folgt: „Irgendwie klingt das doch alles gleich!“
Da traf es sich gut, dass meine Frau, Ute Pastner-Giesler eines
Tages mit dem Cellisten Bernd Knittel vom Opernorchester zusammentraf und die
beiden ins Gespräch kamen, dessen Ergebnis diese Konzertreihe war. Und das war
eben vor zwanzig Jahren. Die ersten Konzerte fanden statt.
Das war nur möglich weil, der Kirchenvorstand damals offen für
solche „weltliche Musik“ in der Kirche war. Ich erinnere mich in diesem
Zusammenhang noch daran, dass eines Tages ein Kollege, der ein Plakat zu einem
Konzert gelesen hatte, anrief und erstaunt sagte: „Ihr spielt ja keine
geistlichen Werke in eurer Kirche, noch nicht einmal Bach!“ Und dann wollte er
wissen, ob wir wenigstens zu Konzertbeginn und am Ende beten! Als ich auch das
verneinte, war er erstaunt und auch ein wenig befremdet.
Mittlerweile ist das weder in unserer Gemeinde noch in anderen
Gemeinden auf dem Land ein Problem. Damals aber war
das Zusammentreffen von „weltlicher“ Kammermusik
mit einem kirchlichen Raum eine Besonderheit und musste sich erst
durchsetzen. Auch das kammermusikalische
Publikum misstraute der Kirche: „Kann dort Gehaltvolles und
Gewichtiges geboten werden?“ Das machte sich zu Beginn an den Besucherzahlen
deutlich. Manchmal verteilten sich da nicht mehr als zwanzig Musikliebhaber.
Gott sei dank blieben die Initiatoren von ihrer Idee überzeugt und hatten
einen langen Atem.
Bald wurde ein Förderkreis
gegründet. Die Mitglieder des Förderkreises gaben dem
Unternehmen „Musik in der Kirche“ das notwendige finanzielle Polster und einige
der Mitglieder gingen nun aktiv an die Arbeit, die Konzerte professionell, mit
Programmheft, Plakaten, Zeitungsartikeln, Radiospots und Pressekonferenzen zu
organisieren. Sie übernahmen die Aufgaben, den Kirchraum für die Konzerte
vorzubereiten, die Karten zu verkaufen, gegebenenfalls das Publikum zu bewirten
und den obligatorischen Blumenstrauß an die Künstler zu überreichen. Ohne
dieses Organisationsteam könnten wir heute gewiss nicht dieses Jubiläum
feiern. Durch ihre Professionalität und Beharrlichkeit stiegen die
Zuhörerzahlen und aus der Konzertreihe wurde eine wichtige Kulturveranstaltung
in der südlichen Wetterau. Mittlerweile kommen Zuhörer aus Frankfurt, Bad
Vilbel, Bad Homburg, Friedberg und Altenstadt.
Heute hat der renommierte Professor der Frankfurter Hochschule
für Musik und Darstellende Kunst Hubert Buchberger die künstlerische Leitung
der Konzertreihe. Ihm ist es vor allem in den letzten Jahren zu verdanken, dass
„Musik in der Kirche“ sich endgültig im Kulturangebot Rhein-Main etabliert
hat.
Bleibt mir nur, allen, die sich zum Teil seit zwanzig Jahren mit
ihrem ehrenamtlichen Einsatz für diese Unternehmung engagiert haben, wie Bernd
Knittel, Philipp Bosbach, Ute Pastner-Giesler, Nicol von Wiedebach und
Nostitz-Jänkendorf, Diether Kalbfleisch sowie Horst Heckel, Karin Wicke,
Brigitte Stroh, Ulrich Kußmaul, Rudolf Greß und Brigitte Arndt ganz herzlich
zu danken.
Und übrigens, weltliche Musik in einem kirchlichen Raum ist
niemals ein Widerspruch, denn die Musik lässt uns immer ein Stück vom Himmel
spüren, wer unsere Konzerte besucht, weiß das. Und so danke ich vor allem auch
den Künstlern, die uns diese Erfahrung in den Konzerten nahe gebracht haben.
Ihr Pfarrer Werner Giesler