Ein kleines Jubiläum darf ich in diesem Jahr feiern: Die Saison 2008/2009 ist
die zehnte, für die ich die künstlerische Verantwortung trage! Nach wie vor
bin ich begeistert von dem räumlich wie personell überaus stimmigen Umfeld
hier in der Karbener St. Michaelis-Gemeinde und ich freue mich besonders, dass
ausnahmslos alle hier konzertierenden Künstlerinnen und Künstler die besondere
Konzertatmosphäre genießen und sich von den Mitgliedern des Förderkreises
liebevoll und aufmerksam betreut fühlen. Als konzertierender Künstler weiß
ich: Wenn man sich so gut aufgehoben fühlt, spielt man besonders gerne und oft
auch besonders schön!
Vier hervorragende junge Ensembles habe ich in dieser Saison eingeladen:
Wir beginnen wieder mit einem Streichquartettabend: Das noch sehr junge, aber
bereits konzerterfahrene und in Wettbewerben ausgezeichnete Berliner
Armida-Quartett macht den Anfang. Auf dem Programm stehen drei höchst
anspruchsvolle Standardwerke des Quartettrepertoires, Prüfsteine für jedes
Quartett, ob alt oder jung! Nicht nur Mozarts letztes Quartett ist wegen seiner
filigranen Struktur gefürchtet, auch Bartóks 1927 für einen Wettbewerb in
Philadelphia komponiertes und dort mit dem ersten Preis ausgezeichnetes Drittes
Streichquartett gehört mit seiner höchst komprimierten kontrapunktischen
Intensität zu den komplexesten Werken des Repertoires. Beethovens
Es-Dur-Quartett op. 74 wird wegen der pizzicato-Arpeggien im ersten Satz auch
„Harfenquartett“ genannt.
Traditionell bei Kerzenschein findet unser Adventskonzert im Dezember statt.
Das Ensemble Animus um die Bad Vilbeler Blockflötistin und Cellistin Marie
Deller (die in der letzten Saison einen hinreißenden Duoabend mit Sabine Ambos
spielte) wird unter dem Titel “…und lasst die süße Musica ganz
freudenreich erschallen” ein abwechslungsreiches und farbiges Programm mit
festlicher Barockmusik gestalten. Das Ensemble gründete sich im Rahmen des
Studiums im Institut für Historische Interpretationspraxis an der Frankfurter
Musikhochschule und hat bereits in zahlreichen Konzerten auf sich aufmerksam
machen können. Seit 2006 wird das Ensemble von „Yehudi Menuhin Live Music Now
e. V.“ gefördert.
Im Januar 2009 gastiert das brasilianisch-italienisch-rumänisch besetzte
Trio Monte, ebenfalls aus der Frankfurter Hochschule für Musik und Darstellende
Kunst hervorgegangen, das im Mai 2008 beim 16. Internationalen
Kammermusikwettbewerb in Barcelona den ersten Preis gewinnen konnte. Auf dem
Programm steht zum Haydn-Jahr 2009 (200. Todestag) sein berühmtes Trio mit dem
„all´ ungharese“-Finale, außerdem mit dem „Erzherzogtrio“ das
bedeutendste und umfangreichste Klaviertrio von Beethoven. Dazwischen das erste
Trio des 1931 in Buenos Aires geborenen argentinisch-deutschen Komponisten
Mauricio Kagel. Er ist zweifellos einer der wichtigsten und vielseitigsten
Komponisten der Gegenwart.
Auf speziellen Wunsch einiger Mitglieder des Förderkreises habe ich das Trio
Lieto, das in der vergangenen Saison dankenswerterweise ganz kurzfristig
eingesprungen ist, erneut eingeladen. Damals haben wir Schönbergs Streichtrio
gehört und uns überlegt, dass es sicher sinnvoll wäre, ein so bedeutendes wie
hochkomplexes Werk ein zweites Mal ins Programm zu nehmen, diesmal allerdings
mit einer Einführung, die die biografischen Hintergründe präsentiert und mit
ausgewählten Klangbeispielen Hörhilfen gibt für ein besseres Verständnis
dieses in seiner Kombination von rein musikalischer Stringenz und
autobiografischem Beziehungsreichtum einzigartigen Werkes. Das Trio Lieto
studiert in meiner Kammermusikklasse und war 2007 Preisträger des Europäischen
Kammermusikwettbewerbs in Karlsruhe.
Zum Abschluss der Saison präsentieren wir zwei arrivierte Künstlerpersönlichkeiten
in dem Duoabend Posaune und Harfe, der in der vergangenen Saison wegen Krankheit
ausfallen musste. Oliver Siefert ist seit 1991 Soloposaunist des
HR-Sinfonieorchesters und seit 2003 Professor an der Frankfurter
Musikhochschule. Maria Stange ist eine renommierte Solistin und Kammermusikerin,
die an den Musikhochschulen in Stuttgart und in Karlsruhe die jeweiligen
Harfenklassen leitet. Als Duo haben sie eine Reihe zeitgenössischer Komponisten
zu Werken inspiriert, einige von diesen Stücken werden in unserem Konzert zur
Aufführung kommen. Ergänzt wird das vom 17. bis ins 21. Jahrhundert reichende
Programm durch originale Solowerke für beide Instrumente und Bearbeitungen
romantischer Kompositionen.
Gemeinsam mit den Mitgliedern des Förderkreises freue ich mich auf eine
spannende und inspirierende Konzertsaison 2008/2009 und hoffe, dass Sie, unser
Publikum, auch diesmal wieder unsere Bemühungen mit Ihrem Konzertbesuch
belohnen!
Mit den besten Grüßen
Ihr Hubert Buchberger